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Gemeinde St.Anton am Arlberg
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Auf Spurnagelgestänge gestoßen

Auf Spurnagelgestänge gestoßen

Interessanter Fund im Bergwerk Gand

Im September wurde das Projekt „Bergbau Gand“ in St. Jakob feierlich eröffnet. Im Rahmen dieses Interreg- und Leader-Projekts wurden das Knåppa-Loch und der „Markus-Stollen“ zugänglich gemacht, drei Schauhütten erzählen die Geschichte, auch einen ausgeschilderten Themenweg gibt’s. Seit Februar wird im „Markus-Stollen“ weitergearbeitet – und dabei ist man auf einen interessanten Fund gestoßen. 

 

Bekannterweise war Tirol einst ein bedeutendes Bergbauland, in St. Anton wurden schon im 15. und 16. Jahrhundert Erze abgebaut, das Bergwerk Gand war zudem eines der quecksilberreichen Bergbaugebiete. Diese Historie wurde und wird am Arlberg weiterhin umfassend aufgearbeitet. Den Stein ins Rollen gebracht hat der mittlerweile verstorbene Hobby-Archäologe Markus Kaser, der anhand alter Beschreibungen und Überlieferungen versucht hat, den Stollen zu finden – mit Erfolg: Das Stollenloch wurde freigelegt, Zimmerungen gefunden. Das Vorhaben wurde zu einem spannenden Großprojekt. Daher trägt der untere Stollen den Namen „Markus-Stollen“, in dem auch aktuell eifrig gearbeitet wird. 

 

Kleine Kaverne gefunden

Dort waren beim Besuch der RUNDSCHAU Frank Traxl und Peter Eiter von der HTB zu finden (zuständig für dieses besondere Projekt ist HTB-Bauleiter Manuel Venier). „Die Stollensicherung wurde gemacht, auch Ausgrabungsarbeiten im Markus-Stollen sind vorangeschritten“, erzählen die beiden. Ein Ziel ist, die große Kaverne zu finden, die laut alten Überlieferungen so groß ist, dass die St. Jakober Kirche darin Platz hätte. Und die HTB-Mitarbeiter wurden fündig, auch wenn es noch nicht die große Kaverne war: Eine kleinere kam zutage. „Seit Februar (Corona-bedingt musste pausiert werden) wurden hier zig Kubikmeter Material aus dem Stollen entnommen“, ergänzen die beiden Arbeiter. Teils ist eine gebückte Haltung notwendig (außer in der Kaverne), auch die Durchgänge sind mit 60 bis 80 Zentimetern oft sehr schmal. „Und wenn es regnet, oder auch bei Schneeschmelze, bekommt man das im Stollen zu spüren – trotz bester Kleidung wird man patschnass.“ Feingefühl ist angesagt, denn gesprengt wurde nicht, zum Einsatz kamen lediglich elektrisch betriebene Schremmhämmer, gespalten wurde hydraulisch, also höchst schonend. Ein großer Teil wurde händisch freigelegt. 

 

Spurnagelgestänge

Gefunden wurden kurz nach Beginn der Wiederaufnahme der Bauarbeiten alte hölzerne Gleise, woraufhin als einer der Ersten Peter Gstrein kontaktiert wurde – ein Bergbauexperte, dem bei der Eröffnungsfeier der Beinamen „Mr. Bergbau Gand“ zuteil wurde. Die Gleise wurden fotografiert und werden nun wissenschaftlich untersucht. Besonders interessant: „Die Gleise wurden mit Holznägeln genagelt“, erzählen Frank Traxl und Peter Eiter, die sie gefunden haben. Darunter befinden sich Bretter, die Gleise selbst sind in kleinem Abstand zueinander verlaufen. Peter Gstrein erklärt: „Das sind klassische Spurnagelgestänge.“ Das sind lange glatte Balken, die paarweise mit einen Zwischenraum für den Spurnagel auf der Stollensohle liegen. Darauf wurden die mit Rädern versehenen Hunte gezogen, die zur Materialbeförderung im Stollen eingesetzt wurden. Wie alt sie sind, wird erst wissenschaftlich untersucht. „Ich schätze aber, dieser Fund stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, ca. 1750 plus-minus“, sagt Gstrein. 

 

Mehr Informationen zum Bergbau Gand: www.bergbau-gand.at

 

Text und Fotos: © Oberländer Rundschau, Elisabeth Zangerl