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Gemeinde St.Anton am Arlberg
Geschichte /

Wappen

Seit 1927 haben alle Tiroler Gemeinden das Recht, ein Wappen zu führen (bis dahin war das den Städten und Märkten vorbehalten).
St. Anton war die erste Gemeinde, die nach dem neuen Gesetz ein Wappen verliehen bekam.
Es wurde im Zuge der Namensänderung 1927 übergeben und symbolisiert die Passlage am westlichen „Tor zu Tirol“.
Der silberne Pfahl steht dabei für die Arlbergstraße, der gewellte Schildfuß für die Rosanna.

Geschichte /

Alle Bürgermeister

  • Otto Strolz, 1919 bis 1922
  • Robert Schuler, 1922 bis 1928
  • Johann Klimmer, 1928 bis 1935
  • Hermann Tschol, 1935 bis 1938
  • Karl Moser, 1938 bis 1945
  • Hermann Schuler, 1945 bis 1965
  • Othmar Sailer, 1965 bis 1971
  • Karl Tschol, 1971 bis 1977
  • Herbert Sprenger, 1977 bis 2001
  • Rudolf Tschol, 2002 bis 2009
  • Helmut Mall, seit 2009
Geschichte /

Alle Ehrenbürger

  • Giacomo Nobile Ceconi (1833 – 1910), Verdienste um den Bau des Arlbergtunnels
  • Carl Franz Schuler (1851 – 1917), Wegbegleiter des Tourismus, Hotelier
  • Matthias Strobl (1865 – 1925), Pfarrer in St. Jakob am Arlberg
  • Franz Xaver Zangerle (1848 – 1932), Wegbegleiter des Tourismus
  • Carl Wagner (1850 – 1933), Oberingenieur, Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
  • Alois Haueis (1860 – 1951), Obmann des Tiroler Bauernbundes, Minister für Land- und Forstwirtschaft
  • Dr. Adolf Rybizka (1872 – 1953), Medizinalrat
  • Hannes Schneider (1890 – 1955), Skipionier und Gründer der Skischule Arlberg
  • Ernst Rüdiger Fürst von Starhemberg (1899 – 1956), Bundesführer der Heimführer
  • Heinrich Keim (1892 – 1956), Lehrer, Organist und Kapellmeister
  • Dr. Guido Schmidt (1901 – 1957), Staatssekretär
  • Dr. Josef Joham (1889 – 1959), Generaldirektor
  • Ezio Foradori (1887 – 1960), Industrieller
  • Dr. Julius Marzani (1879 – 1961), Skipionier und Skischulleiter
  • Ing. Julius Raab (1891 – 1964), Bundeskanzler
  • Dr. Josef Schuhmacher (1894 – 1971), Landeshauptmann von Tirol
  • KR Walter Schuler (1891 – 1976), Bauer und Hotelier
  • Dr. Kurt Schuschnigg (1897 – 1977), Justiz- und Unterrichtsminister
  • ÖR Rudolf Draxl (1910 – 1984), Bauer und Skilehrer
  • Rudi Matt (1909 – 1993), Skischulleiter
  • Dr. Otto Murr (1921 – 2003), Chirurg, Obmann Bergrettung und Fremdenverkehrsverband
  • Herbert Sprenger (1932 – 2003), 24 Jahre Bürgermeister, Hauptschuldirektor, Kapellmeister und Organist
  • Rudolf Tschol (1943 – 2015), Altbürgermeister und ehemaliger Obmann Tourismusverband
  • Fritz Tschol (1929 – 2016), katholischer Ordensgeistlicher und Generalvikar der Territorialprälatur Xingu, der größten Diözese Brasiliens
  • Adolf Werner (* 1936), Bruderschaftsmeister der Bruderschaft St. Christoph und Hotelier
  • Franz Vranitzky (*1937), Bundeskanzler
  • Wendelin Weingartner (* 1937), Altlandeshauptmann Tirol
  • Karl Schranz (* 1938), Skiweltmeister aus St. Anton
  • Rudolf Streicher (* 1939), Unternehmer, Politiker und Dirigent
  • Bruno Decristoforo (* 1946), Pfarrer in Dölsach (Osttirol) und 25 Jahre lang (bis 2008) Pfarrer in St. Anton am Arlberg
  • Karl Schlögl (* 1955), ehemaliger Innenminister Österreichs
Geschichte /

Kurzgeschichte

St. Anton am Arlberg

Als letzter Ort des oberen Stanzertales besitzt St. Anton den größten Flächenanteil des ganzen Tales, das sich mit mehreren Seitentälern bis in das Zentrum der Verwallgruppe hineinzieht. Die Gemeinde grenzt an drei Verwaltungs- und vier Gerichtsbezirke mit neun Nachbargemeinden: Kaisers, Pettneu, Kappl, Ischgl, Galtür, Gaschurn, Silbertal, Klösterle, Lech. Die Gemeindefläche beträgt 165 Quadratkilometer und übersteigt damit die Fläche des Fürstentums Liechtenstein, welches 160 Quadratkilometer umfasst. Mit Beschluss der Landesregierung 1927 zur Namensänderung wurde der Gemeinde St. Anton am Arlberg auch das heutige Wappen verliehen. „In Silber über blau gewelltem Schildfuß drei grüne Berge, der rechte und linke erhöht und mit silbernen Spitzen, der mittlere mit einem sich nach oben verjüngendem Pfahl, darüber mit den Fängen auf dem rechten und linken Berg aufstützend, der Tiroler Adler. Die Farben der Gemeindefahne sind Weiß-Rot.Die Symbolik des Wappens ist klar: in der Mitte der Arlberg, über den die Straße führt, der Tiroler Adler, Inbegriff der Freiheit und Wehrbereitschaft gegen äußere und innere Feinde. Die Einwohnerzahl laut Volkszählung 2001 liegt bei 2.549 und hat sich im Laufe von 100 Jahren fast verdreifacht (1901: 877 Einwohner). Die Zahl der Häuser lag 1901 bei 106 und im Jahre 2001 bei über 800. Erstmalig werden dieses Jahr dank der ausgezeichneten Wintersaison über eine Million Nächtigungen erwartet und an die 9.000 Gästebetten zur Verfügung stehen. 34 Seilbahn- und Liftanlagen der Arlberger Bergbahnen AG erschließen das weitläufige Skigebiet und haben eine stündliche Gesamtförderleistung von 46.770 Personen. Das Geschehen in der Gemeinde St. Anton am Arlberg mit ihren Ortsteilen St. Anton, St. Jakob und St. Christoph wird fast zur Gänze vom Tourismus dominiert. Es gibt jedoch auch einige Handwerks-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe. Die Landwirtschaft ist von jeher klein strukturiert und seit vielen Jahren leider sehr rückläufig. Derzeit gibt es noch 43 viehhaltende Betriebe (Nebenerwerbsbauern) – der Großteil davon in St. Jakob. Nach wie vor werden die von der Agrargemeinschaft verwalteten Alpen „bestoßen“, und auf den Alpen Putzen und Tritsch wird noch nach alter Tradition gesennt. Ebenso wird – trotz fast nicht mehr erfüllbarer EU-Richtlinien – in St. Anton eine Sennerei aufrechterhalten. Neben Rindern und Schafen werden seit einigen Jahren vermehrt wieder Pferde (Haflinger) gehalten. Die Gemeinde selbst beschäftigt in der Verwaltung und im Bauhof, in den Schulen und Kindergärten sowie in den gemeindeeigenen EWA (Energie- und Wirtschaftsbetrieben) mit den Bereichen Versorgung, Entsorgung und Dienstleistung an die 100 Mitarbeiter St. Anton verfügt über zwei Volksschulen, zwei Kindergärten und ist Hauptschul- und Standesamtsprengelsitz. Innerhalb der politischen Gemeinde bestehen zwei Pfarreien – St. Anton und St. Jakob. St. Anton verfügt darüber hinaus über ein ausgeprägtes Vereinsleben, wobei die Sport- und Traditionsvereine dominieren. Seit Jahrzehnten wird von Seiten der Gemeinde und des Tourismusverbandes intensiv in die Infrastruktur und Ortsbildgestaltung investiert. So präsentiert sich St. Anton den Besuchern heute als moderner und gefälliger Urlaubsort mit starken traditionellen Wurzeln.

 

 

St. Anton am Arlberg – ein Streifzug durch die Geschichte

Es wird kaum eine Gemeinde geben, die wie St. Anton am Arlberg innerhalb von 750 Jahren bereits fünf verschiedene Namen trug. Um 1275 als „Vallis taberna“ bezeichnet, folgte über Jahrhunderte der Name „Stanzertal“ (1275 – ca. 1805), ehe für kurze Zeit der Gemeindename St. Jakob als Standort der uralten Kuratie St. Jakob übernommen wurde (1805 – ca. 1811). Auch dieser Name dürfte nicht zufriedenstellend gewesen sein, und so einigte man sich auf die Benennung nach dem alten Ortsteil Nasserein (1811 – 1927), der inmitten der beiden Fraktionen St. Jakob und St. Anton lag, wohl auch deswegen, weil das Postgasthaus sich in diesem Ortsteil bis 1824 befand. Mit dem Bau der neuen Landstraße 1824 wurden die beiden Ortsteile St. Jakob und Nasserein umfahren und der Ortsteil St. Anton gewann immer mehr an Bedeutung. Als in den Jahren 1880 bis 1884 die Arlbergbahn gebaut wurde, stand bereits bei der Planung fest, dass die Bahnstation „St. Anton am Arlberg“ heißen werde, obwohl der Gemeindename nach wie vor Nasserein war. Über die Jahre wurde jedoch immer mehr der Wunsch spürbar, den Gemeindenamen Nasserein in den viel gebräuchlicheren Namen St. Anton am Arlberg abzuändern. Es sollte aber noch bis 1927 dauern, ehe der Gemeindename St. Anton am Arlberg nach langanhaltenden Differenzen innerhalb der Fraktionen St. Anton und St. Jakob im Gemeinderat beschlossen werden konnte.

Auch der Name Arl(berg) lässt sich mit verschiedenen Schreibungen bis 1218 (Arle, Arlen, Montem Arili, Arlenperge) zurückverfolgen und wird sinngemäß von Arle bzw. Latsche (Zunterna) übersetzt. Bezeichnet wurde in einer Urkunde von 1218 damit ein erwähnenswerter Wald, welcher sich bis zum Arl erstreckte. Sachliche wie auch formelle Gesichtspunkte deuten aber auch auf eine andere Namensgebung in einer älteren Sprache hin. Dort gab der Arl auch der Burg Arlen ihren Namen, welche sich auf dem Schlosskopf oberhalb von Nasserein befand. Erbaut wurde diese Burg etwa zwischen 1225 und 1250 vom Geschlecht der Schrofensteiner. Um 1310 wurde sie dann aber in den Besitz des Landesherrn übergeben, der wiederum Burghüter zur Verwaltung einsetzte. Bereits 1312 wurde die Burg von den Rötenbergern aus dem Allgäu zerstört, anschließend wiederaufgebaut. 1406 kam es zu den Appenzellerkriegen: Aus Vorarlberg kommend zogen die Appenzeller brandschatzend über den Arlberg, zerstörten die Burg Arlen und töteten auch den Burgherrn Jakob Überrainer im Turm zu Pettneu. Die Burg verfiel zur Ruine und wurde nicht noch einmal aufgebaut. Hin und wieder ist man in den 60er-Jahren bei Bauarbeiten auf die unterirdischen Gänge der Burg gestoßen, die bis weit nach Nasserein und St. Jakob hinunterführten. Leider wurde eine genauere Erforschung dieser Gänge verabsäumt.   

 

Aus dem Umfeld der Burg Arlen ist auch Heinrich Findelkind zu nennen, der 1375 in unsere Gemeinde gelangte. Zwei Priester, die sich auf dem Weg nach Rom befanden, hatten ihn in Vorarlberg aufgelesen und bis zur Burg Arlen begleitet. Der Burgherr bat sie, ihm den Knaben zu überlassen. So blieb der etwa Zwölfjährige zehn Jahre lang bei Jakob Überrainer als Schweinehirt und durfte am Sonntag seinem Herrn das Schwert in die Kirche nach St. Jakob tragen. In dieser Zeit brachte man viele Tote, die im tiefen Schnee auf dem Arlberg umgekommen waren, zum Friedhof nach St. Jakob. Voll Erbarmen beschloss Heinrich, mit den als Hirte verdienten 15 Gulden eine Unterkunft auf dem Arlberg zu bauen. Zu Weihnachten 1385 erhielt er von Herzog Leopold III die Erlaubnis zur Errichtung einer Herberge und am 24. Juni 1386 begann er mit dem Bau. Bereits im ersten Winter konnte er sieben Menschen vor dem Erfrieren retten. Noch im selben Jahr dürfte er vom Papst die Erlaubnis zur Gründung der Bruderschaft St. Christoph erhalten haben. In den folgenden Sommern zog er durch ganz Europa, um für sein Werk zu werben. 1415 soll die Bruderschaft St. Christoph bereits 2.000 Mitglieder gehabt haben. Dazu zählten, wie auch heute noch, Reiche und Arme, Adelige und einfache Leute, geistliche und weltliche Herren. 1784 wurde die Bruderschaft von Kaiser Josef II aufgelöst, im Jahre 1962 aber wiedererweckt. Heute zählt die Bruderschaft St. Christoph über 13.000 Mitglieder. Mit den jährlichen Beitragszahlungen und Spenden werden die karitativ-sozialen Leistungen im Sinne von Heinrich Findelkind fortgesetzt, die allein zum Ziel haben, unverschuldet in Not geratenen Familien zu helfen und sie finanziell zu unterstützen. 

 

Von jeher galt auch die Verkehrsentwicklung als einer der größten Einflussfaktoren in der Entwicklung unserer Gemeinde. Mehrere verschiedene Wege über den Arlberg lassen sich in den Aufzeichnungen und Dorfordnungen nachweisen. Als 1363 Tirol und bald darauf auch Vorarlberg in das Habsburgerreich aufgenommen wurden, setzte auf dem Fahrweg, der über den Arlberg führte, verstärkter Verkehr ein, wobei dem Transport von Handelswaren aller Art, insbesondere dem Salztransport und den militärischen Gütern samt Truppenbewegungen, größte Bedeutung zukam. Die Dörfer dies- und jenseits des Arlbergs erblühten und neue Siedlungen entstanden. Berühmtester Reisender dieser Zeit war Papst Johannes XXIII, der auf dem Weg zum Konzil nach Konstanz am 24. Oktober 1414 von Rom kommend den Arlberg überschritt. „Es lag bereits tiefer Schnee auf dem Arlberg und durch ein Mißgeschick fiel der Wagen seiner Heiligkeit um und begrub den Papst unter sich, worauf dieser mit den Worten ‚Hier lieg ich nun im Namen des Teufels‘ seinen großen Unmut über das Mißgeschick zu erkennen gab.“ Papst Johannes XXIII wurde beim Konzil in Konstanz von seinem Amt enthoben und musste folglich aus Konstanz fliehen.

 

Im Untertanenverzeichnis von 1427 werden 88 Familienväter mit Weib und Kindern genannt, im Feuerstättenverzeichnis jedoch nur 65 Feuerstätten. Dies wohl deshalb, da viele Familien in Doppel- und Dreifachhäusern gewohnt hatten. Sehr aufschlussreich sind auch die im Original erhaltenen Dorfordnungen aus dem Jahre 1656 und 1802, die alle Gehöfte mit ihren Bewohnern samt Rechten und Pflichten nennen. Nach dem Verkauf der Alpgebiete auf dem Arlberg (Alpe Stern genannt) samt sonstiger Alprechte (1450) an die Stadt Lindau am Bodensee, verschaffte sich diese die Kontrolle über den Arlbergverkehr. Lindau förderte den Salztransport von Hall über den Fernpass und schädigte so den Salztransportverkehr über den Arlberg empfindlich. Im Laufe des 15. Jahrhunderts verfiel die Straße über den Arlberg sogar derart, dass er mit Wagen nicht mehr passierbar war. Trotz Bemängelungen hielt sich dieser Zustand von ca. 1450 bis 1787 und wurde erst mit der Eröffnung der Josephinischen Straße über den Arlberg wieder abgeschafft. Der dadurch wieder stark steigende Fuhrwerksverkehr erzwang mit der Kunststraße 1824 den weiteren Ausbau, was die Umfahrung von St. Jakob und Nasserein zur Folge hatte. Zu dieser Zeit gab es viele Fuhrwerkfrächter in unserem Dorf, die den Transporten über den Arlberg „Vorspann“ leisteten und viele Fuhrwerksknechte beschäftigten. Etwa um 1860 nahm der Arlbergverkehr rasant ab, da im Alpenvorland bereits Eisenbahnen entstanden waren und der Transport des Salzes nunmehr wieder über Bayern erfolgte. Die Bevölkerung in unserem Ort bekam diese Auswirkung bitter zu spüren und eine merkliche Verarmung setzte ein. Der finanzielle Niedergang war in allen Teilen des Dorfes spürbar. Viele Einheimische gingen wieder als Maurer, Zimmerleute oder Handlanger ins Ausland, da sie von der klein strukturierten Landwirtschaft nicht leben konnten. Um 1815 begann, ebenfalls auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Situation im Dorf, das oft traurige Kapitel der „Schwabenkinder“. Unzählige Kinder armer Leute mussten über den Sommer ins Schwabenland und wurden dort hauptsächlich als Hütekinder verdingt – erst 1914 sollte dies ein Ende haben. Als um 1870 bekannt wurde, dass eine Bahnlinie durch das Stanzertal und Klostertal geplant war, wurde erstmals wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft geschöpft. 1880 wurde mit dem Tunnel- und Bahnbau auf der Arlbergstrecke begonnen. Die Höchstzahl der Beschäftigten lag bei 4.300 Mann mit Gesamtkosten von 41 Millionen Gulden; davon 19 Millionen Gulden für den Tunnelbau. In St. Anton selbst gesellten sich zu den 900 Einwohnern 2.200 Arbeiter aus allen Teilen der Monarchie, was für die bisher kleine Gemeinde eine harte Belastung bedeutete. Der Priester Paul Bernhard – Kurat von St. Jakob – schildert die Folgen des Tunnelbaues wie folgt: „Für das einfache Talvolk brachte der vierjährige Tunnelbau harte Prüfungen mit sich. Für den männlichen Teil waren die Gefahren der Genußsucht, in specie die Trunksucht in den 34 Schenken und die Übertretung der Fasttage und Entheiligung der Sonntage am größten. Für den weiblichen Teil, insbesondere der Jungfrauen, war die Verführung der sittlichen Korruption äußerst groß und so hatten 13 Mädchen des Dorfes das schwere Schicksal lediger Mütter zu tragen.

Kaiser Franz Josef I selbst besuchte 1881 die Tunnelbaustelle und wagte sich ca. 1.000 Meter in den Stollen hinein, um sich ein Bild der größten Baustelle der Monarchie machen zu können. Gleichzeitig eröffnete er den neu erbauten Schießstand in der Au und gab einen gezielten Schuss auf eine heute noch hoch in Ehren gehaltene Ehrenscheibe ab. Der Tunnel- und Bahnbau selbst ging äußerst schnell vonstatten, und bereits am 19. November 1883 konnte der Tunneldurchstich feierlich begangen werden. Die Eröffnung der neuen Bahnstrecke wurde am 20. September 1884 durch Seine Majestät Kaiser Franz Josef I vorgenommen, der in einem Sonderzug von Innsbruck bis Bregenz die Arlbergstrecke erstmalig befuhr. Die Eröffnung bedeutete nicht nur eine einmalige technische Großleistung, sondern auch ein enormer wirtschaftlicher Aufschwung für die Gebiete dies- und jenseits des Arlbergs: Der Bahnbau brachte Arbeit und auch die ersten Touristen kamen nunmehr mit der Eisenbahn nach St. Anton am Arlberg.

 

Entwicklung des Fremdenverkehrs

1895 fasste der Gastwirt Carl Schuler den kühnen Entschluss, in St. Anton das erste Hotel zu erbauen, welches 1897 mit dem Namen „Hotel Post“ eröffnet werden konnte. Das Hotel Post war wie geschaffen für die feine Gesellschaft, die damals ausschließlich mit der Bahn reiste, und verfügte über ca. 110 Betten, eine Zentralheizung, elektrisches Licht sowie ein Lese- und Billardzimmer, eine Kegelbahn und einen Lawn-Tennisplatz auf der Planie. 

Am 3. Jänner 1901 wurde im Hospiz in St. Christoph der Skiclub Arlberg gegründet. „Durch die Natur entzückt, durch den Sport begeistert, durchdrungen von der Notwendigkeit am Arlberg, einen bescheidenen Sammelpunkt für die Freunde dieses edlen Vergnügens zu schaffen, fühlen sich die ex tempore (unvorbereiteten) Ausflügler bewogen, den Skiclub Arlberg zu gründen.Diesen bemerkenswerten Satz schrieben damals einige Honoratioren aus St. Anton anlässlich einer Skitour nach St. Christoph in das Tourenbuch des Hospizes. Es dürfte ihnen nicht bewusst gewesen sein, welch Anstoß sie mit der Gründung des Skiclub Arlberg für die weitere Entwicklung unseres Ortes gegeben hatten und welch ruhmreiche Weltmeister und Olympiasieger aus dem Club hervorgehen sollten.

Erste Skirennen wurden durchgeführt und 1907 kam Hannes Schneider als Skilehrer in das Hotel Post nach St. Anton. Auch er sollte Skigeschichte schreiben; mit seiner „Arlbergtechnik“ revolutionierte er den modernen Skilauf. Neben dem Hotel Post boten nunmehr auch andere Gasthäuser Zimmer an, und 1910 verfügte St. Anton bereits über 328 Gästebetten, die bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges auf 369 anstiegen. Der Erste Weltkrieg stoppte weitgehend die touristische Entwicklung. Von 135 eingerückten Soldaten kehrten 42 nicht wieder heim.

1922 gründete Hannes Schneider die Skischule in St. Anton. Eine weitere merkliche Erhöhung der Bettenzahl ist 1927 festzustellen und man zählte 664 Fremdenbetten. Zu den großen Fremdenverkehrspionieren zählt ebenso Ing. Rudolf Gomperz, der, eine Krankheit ausheilend, um die Jahrhundertwende nach St. Anton kam. Er galt als Visionär und Ideengeber im Hintergrund von Hannes Schneider und übte viele örtliche und überörtliche Funktionen aus. Die Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten endete für den jüdischen Mitbürger Ing. Rudolf Gomperz jedoch katastrophal, denn auch er wurde ein Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahnes. In den 30er-Jahren drehte iHinDr. Arnold Fanck einige Spielfilme in St. Anton wie „Der weiße Rausch“, „Eine Fuchsjagd auf Skiern durchs Engadin“, „Das Wunder des Schneeschuhs“ usw., die nachhaltig die Entwicklung des Skilaufes nicht nur am Arlberg sondern in den gesamten Alpen mit beeinflussten. 1934 wurde eine Gesamtbettenzahl von 1.000 erreicht und 55.000 Nächtigungen konnten gezählt werden. Mit dem Bau der Seilbahn auf den Galzig 1937 wurde der Grundstein für eine großartige Seilbahnerschließung gelegt, die in den Nachkriegsjahren mit dem Bau der St. Christoph-, Valluga-, Gampen- und Kapallbahn ihre Fortführung fand.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges konnten 1.154 Betten gezählt werden; während des Krieges war St. Anton Fronturlaubsziel mehrerer Heeresverbände. Von 240 eingerückten Soldaten sollten 86 nicht mehr nach St. Anton zurückkehren. Erst 1947 kam der Fremdenverkehr langsam wieder in Gang und setzte sich kontinuierlich mit großen Schritten fort. Die Zahl der Gästebetten stieg von 1.700 (Jahr 1956) auf 5.658 (Jahr 1975) mit nunmehr über 560.000 Nächtigungen. Weitere Seilbahnerschließungen erfolgten in den Jahren 1965 bis 1975, wobei eine vollständige Neuerschließung mit dem Bau der Rendlbahn im Moostal verzeichnet werden konnte. Von 1975 bis 1985 setzte sich die planmäßige Entwicklung des Fremdenverkehrs fort und St. Anton wurde mit dem Arlberger Tarifverbund zu einem Großraum-Skigebiet, das den Gästen die Benützung aller Liftanlagen am gesamten Arlberg ermöglichte. 1978 wurde der 14 Kilometer lange Arlberg-Straßentunnel eröffnet und der sehr belastende Durchzugsverkehr gehörte der Vergangenheit an und brachte dem Ort mehr Ruhe. 1985 erhöhte sich die Bettenzahl auf 7.325 bei 815.000 Nächtigungen. Eine etwas langsamere touristische Entwicklung setzte von 1986 bis 1995 ein, wobei 1995 eine Bettenzahl von 8.500 bei 900.000 Nächtigungen erreicht werden konnte. In diesem Zeitraum erfolgte auch die Ausweitung der Beschneiungsanlagen durch die Arlberger Bergbahnen, welche eine weitgehende Schneesicherheit auf allen Skibergen herstellten. Gleichzeitig fokussierte der Seilbahnbereich die Umstellung der älteren Sessellifte auf neue, hochmoderne kuppelbare Bahnen.

 

Alpine Skiweltmeisterschaft 2001

Der Weg bis zur offiziellen Bewerbung St. Antons für die Alpine Ski-WM war ein mühevoller. Eine gemeinsame WM-Bewerbung von Lech und St. Anton wurde 1991 mit einem Volksentscheid in Lech abgelehnt und St. Anton selbst wollte vorerst nicht alleine den Schritt Richtung Großveranstaltung wagen. 1994 unternahm Weltmeister Karl Schranz erneut einen Anlauf und sicherte sich im Vorfeld durch diverse Beschlüsse im Ort die breite Unterstützung hochrangiger Tiroler und Wiener Politiker. Die Abstimmung im TVB zur Bewerbung für die WM 2001 verlief einstimmig, die des Gemeinderates hingegen mehrstimmig mit zwei Gegenstimmen. Die nächste Hürde zur WM wurde am 24. April 1995 mit dem Zuschlag durch den ÖSV als österreichischer Kandidat für die Alpine Ski-WM 2001 gegen die Sportwelt amadé genommen. Noch sollte es aber ein weiteres Jahr dauern, ehe beim FIS-Kongress in Christchurch (Neuseeland) St. Anton den Zuschlag zur Durchführung der Alpinen Ski-WM 2001 erhielt.

Karl Schranz war von Anfang an überzeugt, dass sich St. Anton auf Grund der guten Argumente – neue WM-Pisten, alle Bewerbe in einem Zielstadion, 100 Jahre Skiclub Arlberg – gegen die Konkurrenten St. Moritz und Lillehammer durchsetzen wird. Das Unternehmen „Christchurch“ begann am 5. Mai 1996, und eine starke St. Antoner Delegation mit Karl Schranz und Bgm. Herbert Sprenger an der Spitze konnte am 11. Mai 1996 den Sieg gegen St. Moritz euphorisch feiern. Ganz Österreich gratulierte, unverzüglich wurde mit den Vorbereitungsarbeiten für die WM 2001 in St. Anton begonnen und ein WM-Beirat gegründet.

Am 6. Dezember 1996 besuchten Kanzler Dr. Vranitzky und Staatssekretär Mag. Schlögl St. Anton und zeigten Verständnis für den „Störfaktor“ Bahn, die den Ort seit 1884 durchschnitt und für die WM als großes Hindernis galt. Die Politiker sagten Unterstützung zu und so wurden vorerst verschiedene Varianten einer Bahnverlegung „Nord“ diskutiert, ehe das Projekt „Süd“ auf Grund von massiven Bürgerprotesten und einem Umdenken der ÖBB zum Tragen kam. Die Verlegung der Bahntrasse war kein ursprüngliches WM-Projekt – jedoch wäre diese ohne WM-Austragung wohl kaum realisiert worden. In Rekordzeit von 36 Monaten wurde das zwei Milliarden Schilling teure Projekt umgesetzt; am 10. September 2000 wurde der offizielle Fahrbetrieb der neuen Strecke bereits aufgenommen. Das Jahrhundertprojekt „Bahnverlegung“ hat St. Anton ein neues Gesicht gegeben und wird die touristische Entwicklung St. Antons auch später noch nachhaltig positiv beeinflussen.

Neben der Bahnverlegung wurde aber auch in neue Infrastrukturbauten investiert und bisher fehlende Einrichtungen konnten nach der WM in Betrieb gehen. Das ARLBERG-well.com – Zentrum für Wellness und Kommunikation – wurde im November 2001 seiner Bestimmung übergeben und verfügt nunmehr über Schwimmbäder, Saunaanlagen, Fitnessräume, ein Restaurant und das Herzstück der WM-Halle mit einem Ausmaß von 44 mal 44 Metern und einer Kapazität von 1.500 bis 2.000 bestuhlten Plätzen oder an die 3.000 Stehplätze für Großkonzerte. Die Gesamtinvestitionen beliefen sich auf 160 Millionen Schilling. Am Vorplatz der Halle (alter Bahnhof) ist auf fast vier Hektar Grund ein großzügig angelegter Naturpark entstanden, der auch eine kleine Seenlandschaft und einen Kunsteislaufplatz auf 500 Quadratmetern beinhaltet. Aber auch die Arlberger Bergbahnen haben für die Weltmeisterschaft ca. 380 Millionen Schilling in neue Bahnen, die Komfortverbesserung, Beschneiungserweiterungen, den Bau von neuen Pisten und das Zentrum ARLBERG-well.com investiert. Innerhalb des Ortes wurde von Seiten der Hoteliers und Zimmervermieter viel Geld in erhöhten Komfort investiert. Auch diesbezüglich hat die Weltmeisterschaft folglich einen enormen touristischen „Schub“ ausgelöst. Genannt werden muss weiters auch das Engagement der Lawinen- und Wildbachverbauung – auch hier wurden weitere große Verbauungen in Angriff genommen.

Die Weltmeisterschaft selbst wurde schließlich zu einem großartigen sportlichen Event, das selbst die kühnsten Erwartungen weitaus übertreffen konnte. Mehr als 350.000 Zuschauer pilgerten zu den Rennen nach St. Anton und neben vielen Zuschauern in aller Welt haben exakt 4.519.000 Österreicher die Meisterschaft über den ORF verfolgt. St. Anton hat es geschafft, die Idee des „WM-Vaters“ Karl Schranz im Teamwork umzusetzen und mit einer qualitätsvollen Großveranstaltung nachhaltig eine großartige touristische Weiterentwicklung einzuleiten.     

 

Seit den Tagen der Weltmeisterschaft hat sich unser Ort stetig weiter verändert: Viele neue Bauten wurden errichtet und der Wintertourismus hat bis heute immer wieder neue Rekordzahlen geschrieben, was für die Entwicklung der Grundstückspreise nicht immer von Vorteil war und eine konträre Situation in der Ortsentwicklung hervorrief. 2006 wurde die neue Funitel der Galzigbahn erbaut, welche als modernes technisches Meisterwerk angesehen wird. 2009 folgte der Bau der neuen Rendlbahn mit neuem Standort auf der alten Bahntrasse, und ein moderner hochfunktioneller Busbahnhof rundet das Erscheinungsbild am Westterminal perfekt ab. 2005 wurde das Wasserspeicherkraftwerk Kartell mit acht Millionen Kubikmeter Speichervermögen gebaut. Die gemeindeeigenen Kraftwerke produzieren mit zwei weiteren Kraftwerken ca. 60 Millionen Kilowattstunden Ökostrom. 2016 erfolgte der Skigebietszusammenschluss mit Lech, Zürs und Warth. Der gesamte Arlberg verfügt heute über 305 Pistenkilometer und gilt als größtes Skigebiet Österreichs und das fünftgrößte auf der Welt: 88 Seilbahnen und Lifte erschließen großzügig das gesamte Skigebiet. Eine weitere große Infrastrukturmaßnahme war die 2017/2018 durchgeführte Verlegung der Umfahrungsstraße B 197 an die Bachseite der Rosanna. Auch hier hat sich das Erscheinungsbild unseres Dorfes nachhaltig grundlegend verbessert und die Verkehrssicherheit der Autofahrer und Fußgänger maßgeblich erhöht. In Planung befindet sich derzeit noch die Errichtung eines Fernwärmeheizwerkes für das gesamte Ortsgebiet am Standort „Alter Fußballplatz“; es soll im Winter 2018/19 in die erste Betriebsphase gehen.

 

Die Kirche von St. Jakob

Die St. Jakober Kirche ist die älteste Kirche unserer Gemeinde und wird erstmals 1275 in einem Steuerverzeichnis des Gerichtes Landeck erwähnt. Dem Apostel Jakobus dem Älteren geweiht, gehörte sie erst zur Urpfarre Stanz und ab 1271 zu Zams. 1271 dürfte auch der Zeitpunkt gewesen sein, an dem das Stanzertal unter dem Tiroler Grafen Meinhard II von der churischen Herrschaft abgetrennt wurde. Die heutige Barockkirche hatte eine Vorgängerkirche, die auf dem jetzigen Friedhof stand. Das Aussehen dieser ersten Kirche ist bekannt: Das Kirchentor war über eine vielstufige Freitreppe zu erreichen; die Kirchenaußenwände waren gemauert, trugen aber keine Gewölbe, denn der Dachstuhl war vom Kircheninneren zu sehen. Nach dem Neubau der Kirche in St. Anton 1691 bis 1699 waren die St. Jakober mit ihrem Gotteshaus nicht mehr zufrieden. Mehrere Pfarrherren haben den Versuch unternommen, die mittlerweile baufällig gewordene Kirche neu zu erbauen. Aber erst 1773 kam es zum Bau der neuen Kirche, einer Barockkirche, die außen höchste Bescheidenheit zeigt und von einem großen Christophorus-Gemälde geziert wird. Baumeister war vermutlich Franz Singer aus Götzens. Die neue, geostete Kirche wurde oberhalb des alten Turmes erbaut, der von der alten Kirche übernommen wurde. Die Einweihung fand am 22. Juli 1778 statt. 1888 erhielt der alte Turm einen neuen Turmhelm, der von den Einheimischen damals etwas abwertend als „Buena-rema“, zu Deutsch „Bohnengestell“ bezeichnet wurde. Der alte Turmhelm wirkte ausgesprochen wuchtig, ja fast trutzig, und wurde zum Symbol der Jakober in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er ist auf Postkarten gut zu erkennen, wurde aber durch das Feuer 1943 vernichtet und in diesem Stil nicht mehr nachgebaut. Das innere der Kirche ist von barockem Überschwang erfüllt und wurde mit reichen Gewölbefresken ausgestattet. Neben vielen Kostbarkeiten ist besonders die „St. Jakober Kanzel“ mit dem stürzenden Satan von Meister Johann Schnegg zu nennen. Der Satan hat schon wiederholt seine Kanzel verlassen, um auf Barock-Ausstellungen gezeigt zu werden. Am 20. April 1943 brannten bei einem Großbrand alle Häuser in der Umgebung der Kirche ab, und auch das Kirchdach und der Turmhelm fielen dem Brand zum Opfer. Mehrere Male wurde die Kirche renoviert, letztmalig 1975. Auf der Südseite des Kirchturmes steht seit 1885 das Denkmal für die beim Bau des Arlbergtunnels zwischen 1880 und 1884 verstorbenen Arbeiter. Aus St. Jakob stammt auch ein Missionsbischof – Cassian Spiß –, der 1905 während der Ausübung seiner Missionarstätigkeit in Afrika ermordet wurde. 2007/2008 wurde die Pfarrkirche St. Jakob generalsaniert. Seither erstrahlt sie in neuem barocken Glanz.

 

Die Kirche von St. Anton

Die Bewohner des Ortsteiles „am Perg“ bemühten sich sehr lange um eine eigene Kirche. Es dauerte aber noch bis 1690, ehe die Gemeinde am Perg in der Lage war, an den Bau einer Kirche zu schreiten. Die Kirche wurde am 11. September 1698 eingeweiht und zu Ehren der Heiligen Jungfrau, des heiligen Franziskus und des heiligen Antonius von Padua erbaut. Die Bauausführung erfolgte durch die Baumeisterfamilie Keil aus Umhausen im Ötztal. Die kleine Kirche erhielt einen Turm, der im Unterbau rundbogige Schallfenster aufweist, darüber einen achteckigen Aufbau mit schindelbedeckter Zwiebelhaube. Das Ausmaß der Kirche wird mit 3/8-Chorabschluss und einer Stichkappentonne mit fünf Jochen, wobei nach jedem zweiten Joch ein Gurtbogen eingezogen war, angegeben. Die Ausstattung der St. Antoner Kirche war eher bescheiden und durch den Neubau der Barockkirche in St. Jakob 1773, die erhebliche finanzielle Mittel verschlungen hatte, haben sich die Neuanschaffungen in St. Anton vermutlich in Grenzen gehalten. 1840 erfolgte eine größere Renovierung und die Kirche erhielt zwei große Gemälde des Münchner Künstlers Johann Kaspar. Erst der Bahnbau 1880 bis 1884 brachte der Kirche erhebliche Zuwendungen seitens der hier tätigen Bauunternehmer. So erhielt die Kirche ein neues Geläut, bestehend aus vier Glocken.  Nachdem die alte Kirche viel zu klein geworden war, schritt man nach langjährigen Vorbereitungen 1932 zu einer Kirchenvergrößerung nach den Plänen des Architekten Clemens Holzmeister. Der Kirchenum- und -zubau wurde in fünf Monaten und 17 Tagen vollstreckt und im darauffolgenden Jahr wurde die vergrößerte Kirche eingeweiht. Der Architekturkritiker Friedrich Achleitner hat dazu folgendes geschrieben: „Am augenfälligsten und am meisten abgebildet ist die St. Antoner Pfarrkirche, die von Clemens Holzmeister 1932 erweitert und umgebaut wurde. Von der alten Kirche blieb ein Hauptteil des Schiffes als Chor und der barockisierte Zwiebelturm erhalten. Holzmeister fügte einen neuen Eingangsbereich an und schuf mit dem neuen ‚kleineren‘ Turm, den er dem alten (was von vielen nicht verstanden wird) nicht anglich, den Hauptakzent, der diesem Bau zu neuem, starken Leben verhalf. Dieser Entwurf ist ein frühes Beispiel einer sogenannten typologischen Denkmalpflege, wobei durch neue Elemente die alten zum Sprechen gebracht werden.“ Die Innenausstattung der alten Kirche wurde zum Teil übernommen. 1951 erhielt die Kirche neue Deckengemälde vom Künstler Hans Andre aus Innsbruck und 1956 einen von Hans Buchgeschwentner neu geschaffenen Hauptaltar mit Szenen aus dem Leben des heiligen Antonius. Sehenswert sind auch die reich verzierten Glasfenster, ein Flügelaltar aus dem 14. Jahrhundert und die Weihnachtskrippe aus dem Jahre 1957, ebenfalls von Hans Buchgeschwentner geschaffen. Erst am 1. November 1947 wurde die Kaplanei St. Anton zur Pfarre erhoben. Eine der Grundbedingungen für die Erhebung zur Pfarre war die Bereitstellung eines eigenen Friedhofes, der 1952 auf der Planie angelegt wurde. Zuvor mussten die Toten nach St. Jakob auf den Friedhof gebracht werden. Zur Pfarre St. Anton am Arlberg gehört auch die Kaplanei St. Christoph; die Kapelle wurde 1386 von Heinrich Findelkind erbaut. 2012 wurde die Kirche einer Totalrenovierung unterzogen. Sie erstrahlt nunmehr in neuem Glanz und wirkt auf die Kirchenbesucher sehr einladend. Die eigenständigen Pfarreien unserer Gemeinde werden seit 2008 durch einen Seelsorgeverband betreut.

 

Text und Zusammenstellung

Mall Helmut – Gemeinde St. Anton am Arlberg

 

 

Quellen:

Heimatbuch der Gemeinde St. Anton von Ing. Hans Thöni

Kirchengeschichten von St. Anton und St. Jakob von Ing. Hans Thöni

Verkehrsgeschichte des Arlbergs 1899 von Franz Kurz

Schlussbericht Alpine Ski-WM 2001

Gemeindearchiv St. Anton am Arlberg