Entwicklung des Fremdenverkehrs

1895 faßte der Gastwirt Carl Schuler den kühnen Entschluß, in St. Anton das erste Hotel zu erbauen, welches 1897 mit dem Namen „Hotel Post“ eröffnet werden konnte. Das Hotel Post war für die feine Gesellschaft, das damals ausschließlich mit der Bahn reiste, wie geschaffen und verfügte über  ca. 110 Betten, Zentralheizung, elektrisches Licht sowie Lese- und Billardzimmer, eine Kegelbahn und einen „Lawn-Tennisplatz“ auf der Planie.

Am 3.1.1901 wurde im Hospiz in St. Christoph der Skiclub Arlberg gegründet.  „Durch die Natur entzückt, durch den Sport begeistert, durchdrungen von der Notwendigkeit am Arlberg einen bescheidenen Sammelpunkt für die Freunde dieses edlen Vergnügens zu schaffen, fühlen sich die  ex tempore (unvorbereitet) Ausflügler bewogen, den Skiclub Arlberg zu gründen“  Diesen bemerkenswerten Satz schrieben damals einige Honoratioren aus St. Anton anläßlich einer Skitour nach St. Christoph in das Tourenbuch des Hospiz. Es dürfte ihnen nicht bewußt gewesen sein, welch Anstoß sie mit der Gründung des Skiclub Arlberg für die weitere Entwicklung unseres Ortes gegeben haben und welch ruhmreiche Weltmeister und Olympiasieger aus dem Club hervorgehen sollten. Erste Skirennen wurden durchgeführt und 1907 kam Hannes Schneider als Skilehrer in das Hotel Post nach St. Anton.  Auch er sollte Skigeschichte schreiben und mit seiner „Arlbergtechnik“ revolutionierte er den modernen Skilauf. Neben dem Hotel Post wurden nunmehr auch in anderen Gasthäusern Zimmer angeboten und 1910 verfügte St. Anton bereits über 328 Gästebetten, die bis zum Beginn des 1. Weltkrieges auf 369 anstiegen. Der 1. Weltkrieg stoppte weitgehend die touristische Ent-wicklung und von 135 eingerückten Soldaten kehrten 42 nicht mehr heim.  1922 gründete Hannes Schneider die Skischule in St. Anton. Eine weitere merkliche Erhöhung der Bettenzahl ist 1927 festzustellen und man zählte 664 Fremdenbetten. Zu den großen Fremdenverkehrspionieren zählt auch Ing. Rudolf Gomperz, der - eine Krankheit ausheilend - um die Jahrhundertwende nach St. Anton kam. Er galt als Visionär und Ideengeber im Hintergrund von Hannes Schneider und übte viele örtliche und überörtliche Funktionen aus. Die Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten endete für den jüdischen Mitbürger Ing. Rudolf Gomperz katastrophal und auch er wurde ein Opfer des „nationalsozialistischen Rassenwahnes“.

In den dreißiger Jahren drehte iHinDr. Arnold Fanck auch einige Spielfilme in St. Anton wie „Der weiße Rausch, Fuchsjagd im Engadin, Wunder des Schneeschuhs“ usw.,  die nachhaltig die Entwicklung des Schilaufes nicht nur am Arlberg sondern in den gesamten Alpen mit beeinflußten.  1934 wurde eine Gesamtbettenzahl mit 1000 erreicht und 55.000 Nächtigungen konnten gezählt werden. Mit dem Bau der Seilbahn auf den Galzig 1937 wurde der Grundstein für eine großartige Seilbahnerschließung gelegt, die in den Nachkriegsjahren  mit dem Bau der St. Christoph-, Valluga-, Gampen- und Kapallbahn ihre Fortführung fand. Mit Beginn des II. Weltkrieges konnten 1.154 Betten gezählt werden und während des Krieges war St. Anton Fronturlaubsziel mehrer Heeresverbände. Von 240 eingerückten Soldaten sollten 86 nicht mehr nach St. Anton zurückkehren. Erst 1947 kam der Fremdenverkehr langsam wieder in Gang und setzte sich kontinuierlich mit großen Steigerungen fort. Die Zahl der Gästebetten stieg von 1700 (Jahr 1956) bis auf 5.658 (Jahr 1975) bei nunmehr über 560.000 Nächtigungen. Weitere Seilbahnerschließungen erfolgten in den Jahre 1965 bis 1975 wobei eine komplette Neuerschließung mit dem Bau der Rendlbahn im Moostal erfolgte.  Von 1975 bis 1985 setzte sich die planmäßige Entwicklung des Fremdenverkehrs fort und St. Anton wurde mit dem Arlberg Tarif Verbund zu einem Großraum-Skigebiet, der den Gästen die Benützung aller Liftanlagen am gesamten Arlberg ermöglichte. 1978 wurde der 14 km lange Arlbergstraßentunnel eröffnet und der sehr belastende Durchzugsverkehr gehörte der Vergangenheit an und brachte dem Ort mehr Ruhe. 1985 erhöhte sich die Bettenzahl auf 7.325 bei 815.000 Nächtigungen. Eine etwas langsamere touristische Entwicklung setzte dann von 1986 bis 1995 ein, wobei 1995 eine Bettenzahl von 8.500 bei 900.000 Nächtigungen erreicht werden konnte. In diesem Zeitraum erfolgte auch die Ausweitung der Bescheinungsanlagen durch die Arlberger Bergbahnen, welche eine weitgehende Schneesicherheit auf allen Skibergen herstellte. Gleichzeitig erfolgte im Bahnbereich die Umstellung der älteren Sessellifte auf neue hochmoderne kuppelbare Bahnen. Aber auch viele neue Betriebe und Hotels wurden in dieser Zeitspanne erbaut und vermehrt wurde in „Qualitätstourisums“ investiert.


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